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Tomten – Der Wichtel

SCHWEDEN, TOMORRO‘

Dies ist eine alte Weihnachtssage aus dem Jahr 1881, erzählt aus der Perspektive eines Tomte. Ein Tomte ist eine mythische Märchenfigur, ähnlich einem Gnom, der sich um Haus und Hof kümmert, während der Rest von uns schläft.

In einer deutschen Nachdichtung von Lukas Wolfgang Börner.

Die Winternacht ist kalt und hart.
Die Sterne glitzern, funkeln.
Zu dieser Stund ruht alles zart
im stillen Hof im Dunkeln.
Der Mond geht seine leise Bahn.
Der Schnee glänzt weiß auf dunklem Tann.
Der Schnee glänzt weiß am Dache.
Der Wichtel hält hier Wache.

Er steht am dunklen Scheunentor
vergraut vor dem Geschneibe
und schaut wie dutzendfach zuvor
hinauf zur Mondenscheibe.
Schaut hin zum Tann, zur Fichte bald –
wie dunkle Mauern steht der Wald.
Das Rätsel aller Wesen
sucht er indes zu lösen.

Fährt mit der Hand durch Bart und Haar,
doch schüttelnd mit dem Haupte
spricht er: „Solch Rätsel – welch ein Narr,
der es zu lösen glaubte!“
Der Wichtelmann erhebt sich nun,
um seine Pflicht wie stets zu tun,
stapft los – und sucht indessen,
das Rätsel zu vergessen.

Vorm Schuppen und Geräteraum,
da prüft er alle Schlösser.
Am Krippchen einen Sommertraum
erträumen Küh und Rösser.
Vergessen Zug und Peitschenknall
träumt Pålle tief in ihrem Stall
mit Speichel auf den Lippen
von kleegefüllten Krippen.

Er geht zum Stall von Lamm und Schaf,
die träumen auch schon lange.
Im Hühnerstall schläft alles brav,
der Hahn auf höchster Stange.
Der Karo in dem Hundehaus
schläft sich im warmen Strohbett aus.
Der Wichtel mag ihn leiden –
Vertraute sind die beiden.

Dann stapft er still zum Bauernhaus.
Er lässt sich’s nicht verwehren
und schaut auch nach den Menschen aus,
die allesamt ihn ehren.
Zum Kinderzimmer schleicht entzückt
der Wichtel stumm und still beglückt
und stellt sich auf die Zehen,
die Kinderlein zu sehen.

So sah er alle, Vater, Sohn,
und sieht noch heut verschwommen
wohl jegliche Generation.
Woher sind sie gekommen?
Die Ahnen blühten, welkten in
den Jahren, gingen – doch wohin?
Und wie vom Wind getragen
kam eine jener Fragen.

Er klettert auf das Scheunendach
zum Grübeln allenthalben.
Dort hat er Wohnung und Gemach
ganz nah dem Nest der Schwalben.
Ach, leer steht ihre Wohnung jetzt –
doch hat der Lenz erst eingesetzt,
lässt sich die Schwalbe wieder
mit ihrem Mann hier nieder.

Dann singt sie lieblich vor sich hin,
von ihren weiten Reisen.
Indes lässt jener seinen Sinn,
erneut ums Rätsel kreisen.
Die Scheunenbretter sind nicht dicht,
auf seinen Bart fällt Mondenlicht
und glitzert dort recht heiter,
er aber grübelt weiter.

Der Wald und die Umgebung liegt
gefangen dort im Eise.
Der Wasserfall, der nie versiegt,
rauscht stetig, leise, leise.
Der Wichtel, davon ganz betört,
beschließt, dass er das Leben hört.
Fragt sich, wohin es ginge
und wo der Quell entspringe.

Die Winternacht ist kalt und hart.
Die Sterne glitzern, funkeln.
Zu dieser Stund ruht alles zart
im stillen Hof im Dunkeln.
Der Mond geht seine leise Bahn.
Der Schnee glänzt weiß auf dunklem Tann.
Der Schnee glänzt weiß am Dache.
Der Wichtel hält hier Wache.

 

Dieser Beitrag kommt von der CommUnity International Partner-Agentur:

TOMORRO‘

Schweden, Stockholm
www.tomorro.se

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