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Das Land mit zwei Weihnachtsmännern

RUMÄNIEN, KUBIS

Weihnachten ist wahrscheinlich der glücklichste Tag des Jahres für jedes Kind auf der Welt. Wir schmücken die Häuser mit Lichtern, wir freuen uns auf den Weihnachtsmann, auf den wir ein ganzes Jahr warten mussten und wir bekommen Geschenke, ob wir nun brav waren oder nicht. Aber für die Kinder im kommunistischen Rumänien war der Weihnachtstag noch viel besser als für Kinder anderswo. Das klingt komisch, nicht wahr? Aber es war so.

Wir hatten nämlich gleich zwei Weihnachtsmänner: Der erste war der traditionelle Weihnachtsmann, den die ganze Welt kennt. Und dann gab es noch einen zweiten: Santa Coldy. Den hatte das kommunistische Regime erfunden. Und das Verrückteste daran war, dass man die Beiden kaum voneinander unterscheiden konnte! Beide waren rot, beide hatten lange weiße Bärte, beide kamen durch den Kamin und beide brachten Geschenke. Doch der echte Weihnachtsmann war ein Geheimnis. Darüber durfte man nicht laut sprechen. Santa Coldy hingegen war überall akzeptiert und gefeiert. Mir war das egal. Ich war glücklich, weil meine Eltern verrückt genug waren, mir im Namen beider Weihnachtsmänner Geschenke zu machen. Es war ihre Art, leise gegen das Regime zu rebellieren und das Beste aus dieser aufgezwungenen Tradition zu machen, die ihnen so verdreht erschien. Mein Vater legte auch besonders Wert darauf, die Lächerlichkeit der Situation zu unterstreichen, indem er Jahr für Jahr am Weihnachtstag voller Spott denselben Witz machte: „Ich glaube, in unserer Wohnung ist es genauso kalt, wie im Haus von Santa Coldy.“ Ehrlich gesagt war ich der einzige aus meiner Familie, der über diesen Papa-Witz lachte, und dass auch nur, weil ich ihn nicht verärgern wollte. Schließlich war er für die Geschenke verantwortlich.

Jahr für Jahr bekam ich zwei Sätze Weihnachtsgeschenke, bis zu diesem einen besonderen Tag. Da verkündete mein Vater, dass Santa Coldy nicht mehr kommen wird. Dieses Mal lachte meine ganze Familie und ich fing fast zu weinen an. Wahrscheinlich dachte ich, dass ich meinen Vater noch umstimmen könnte, aber es war etwas in seiner Stimme, das keinen Platz für Verhandlungen ließ. Eine Art lang erwarteter Genugtuung, vermischt mit Freude und Erleichterung über die Niederlage von Santa Coldy. Das war der Tag, an dem Weihnachten in Rumänien gewonnen hat. 1989 war der Weihnachtsmann frei, und wir waren es auch.

Dieser Beitrag kommt von der CommUnity International Partner-Agentur:

KUBIS INTERACTIVE

Rumänien, Bukarest
www.kubisinteractive.com

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