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In Hülle und Fülle

WETHINK NORDIC, DÄNEMARK

Es war an einem Weihnachtsabend, da kamen zwei arme Wanderer zu einem Hof und baten, die Nacht über dableiben zu dürfen. Nein, sagten die Hofbewohner, sie könnten Bittstellern kein Obdach geben. Da gingen sie weiter und kamen zu einer Hütte, in der ein armer Bauer mit seiner Frau wohnte. Sie klopften an und fragten auch hier, ob sie die Nacht bleiben könnten. Ja, sagten die Leute, das könnten sie gern, wenn sie mit dem, was sie ihnen bieten konnten, Vorlieb nehmen wollten. Sie waren ja nur arme Leute.

Die beiden Fremden dankten herzlich und traten ein. Da flüsterte die Frau dem Manne zu: „Wir müssen doch an diesem hochheiligen Abend den Fremden etwas Besonderes geben. Wir sollten unseren Widder schlachten.“ Der Mann stimmte ihr zu. Ein guter Braten kam auf den Tisch, und sie aßen und waren vergnügt miteinander an diesem heiligen Abend. Als es dann Schlafenszeit war, überließen sie den Gästen ihr eigenes Bett, denn es war das einzige, das sie hatten. Sie selbst breiteten Stroh auf die Diele und schliefen dort.

Am nächsten Morgen gingen sie allesamt zur Kirche, und die Bauersleute baten die beiden Wanderer, doch die beiden Feiertage noch bei ihnen zu bleiben. Schließlich müssten sie ihnen ja auch helfen den guten Braten zu verspeisen. Die Fremden dankten und blieben. Am Morgen des dritten Weihnachtstags verabschiedeten sich die beiden. Sie dankten ihren Gastgebern und entschuldigten sich, weil sie sie nicht entlohnen konnten. „Wir haben es nicht für Lohn getan“, sagte der arme Mann und lächelte sie an.

Gerade als sie aus der Tür gehen wollten, sagte der eine der beiden Wanderer: „Da fällt mir etwas ein. Hatte der Widder keine Hörner?“„Doch“, sagte der Mann, „aber sie waren zu nichts nütze.“ Er wunderte sich was die Fremden mit den Widderhörnern wollten. „Wie viele Hörner hatte er?“, hob der Fremde wieder an. „Zwei“, sagte der Mann, ganz verwundert über die Frage. „Dann mögen euch zwei Wünsche erfüllt werden“, sagte der Fremde. Da sagte der Mann, sie hätten keine anderen Wünsche, als dass sie ein gutes Auskommen auf Erden haben und nach ihrem Tod ins Himmelreich kommen möchten. „Das gewähre euch Gott!“, sagte der Fremde. „Nächstes Jahr kommen wir wieder.“ Und dann gingen die beiden Wanderer fort.

Von da an gelang den beiden Bauersleuten einfach alles. Ihr Vieh war gesünder und fruchtbarer und ihre Felder lieferten reiche Ernte. Sie wurden sogar recht wohlhabend und bauten ihr Häuschen aus, sodass es größer und behaglicher wurde. Sie freuten sich auf Weihnachten und den Besuch der beiden Fremden, denn sie wussten wohl, dass sie ihnen den Segen zu verdanken hatten.

Die Nachbarn staunten sehr über den neu gewonnen Wohlstand und vor allem die Bewohner des Hofes gegenüber, die die beiden Fremden abgewiesen hatten, beobachteten sie mit Neid und Argwohn. Als sie die Geschichte mit den Hörnern erfuhren, ärgerten sie sich sehr und fühlten sich sogar bestohlen. Im Grunde waren die Fremden ja zu ihnen gekommen. Sie baten, bettelten und drohten den Bauersleuten solange, bis diese ihnen versprachen, die Fremden zu ihnen zu schicken.

In der Dämmerung des Weihnachtsabends kamen die zwei Wanderer tatsächlich wieder und klopften bei den Bauersleuten an. Diese öffneten ihnen die Tür und dankten ihnen überschwänglich für all den Segen, den ihr Besuch ihnen gebracht habe. Die Fremden baten, ob sie die Nacht über dableiben und das Fest mit ihnen feiern dürften. Ja, sagten die Bauersleute, nichts würde ihnen lieber sein, aber sie hätten den Hofbewohnern gegenüber versprochen, sie bei ihrer Ankunft zu ihnen zu schicken. Es täte ihnen so leid, dass sie sie im letzten Jahr abgewiesen hätten, und sie wollten es gern wiedergutmachen. „Wenn ihr es wünscht“, sagten die Fremden, „gehen wir heute Abend dort hinüber, aber morgen früh gehen wir mit euch zur Kirche.“

Der Hofbesitzer und seine Frau rannten den beiden schon entgegen. Sie nahmen sie in Empfang und führten sie in ihre beste Stube. Immer wieder entschuldigten sie sich dafür, sie im letzten Jahre abgewiesen zu haben. Die Fremden wurden reich bewirtet, sogar ein Ochse war geschlachtet worden und schließlich schliefen sie in die besten Daunen gebettet.

Am nächsten Morgen standen die Fremden früh auf und die Hofbewohner luden sie ein, die Feiertage über dazubleiben. Die Fremden jedoch sagten, sie müssten fort, sie wollten noch zur Kirche gehen und von dort dann direkt weiter. Der Hofherr ließ sofort seinen Wagen anspannen, um die beiden zur Kirche zu fahren. Beim Abschied dankten die beiden Fremden und entschuldigten sich, weil sie leider kein Geld hätten, um den Hofherren zu entlohnen.

„Aber“, sagte einer der Fremden, „hatte der Ochs keine Hörner?“ Der Hofherr und seine Frau verstanden sofort, schließlich hatten sie die Geschichte vom vorigen Jahr gehört. „Ja, natürlich hatte der Ochs Hörner“, antwortete er daher. „Wie viele Hörner hatte er?“, fragte der Fremde. Und die Frau antwortet sofort „Vier. Vier Hörner hatte unser Ochse!“ „Dann sollen euch auch vier Wünsche erfüllt werden“, sagte der Fremde. „Jedem von euch zwei.“

Der Hofherr beeilte sich die beiden Fremden zur Kirche zu fahren und fuhr, ohne selbst zur Messe zu gehen, gleich wieder nach Hause, um so schnell wie möglich mit seiner Frau über die Wünsche zu beraten. Er peitschte die Pferde an, doch da riss eines der Halfter und er musste absteigen, um es wieder zu befestigen. Schnell fuhr er weiter. Doch da riss auch das zweite und wieder musste er absteigen. „Hole euch beide der Teufel!“, rief der Hofherr aus und im selben Augenblick waren die Pferde verschwunden. So blieb ihm nichts anders übrig, als den Wagen stehen zu lassen und zu Fuß nach Hause zu gehen. Es bleiben immer noch drei Wünsche. Wir können uns so viele Pferde wünschen wie wir wollen, dachte er. Leichtherzig machte er sich also auf den Weg nach Hause.

Seine Frau wartete schon ungeduldig auf ihn. Aufgeregt lief sie vor dem Haus auf und ab. „Ach wär er doch endlich da, der Schwerenöter!“, sagte sie und schon stand er vor ihr. Ein weiterer Wunsch war achtlos vertan.

„Wo kommst du denn her? Ohne Pferde und Wagen“, schimpfte sie. „Das ist deine Schuld“, sagte der Mann. „Ich hab die Pferde zur Hölle gewünscht. So ein Betrug bringt kein Glück. Du hast wegen der Hörner gelogen. Eigentlich sollten sie dir im Genick sitzen!“ Und das taten sie auch. Noch im selben Moment hatte die Frau zwei Hörner im Genick.

Drei der vier Wünsche waren erfüllt und es blieb nur mehr einer, der der Frau zukam. „Ach Frauchen“, sagte der Hofherr, „wünsch dir doch einen Riesenhaufen Geld, dann kann noch alles gut werden!“ „Nein, dankeschön. Ich werde nicht mein Leben lang mit diesen Hörnern herumlaufen.“ Und sie wünschte sich die beiden Hörner zum Teufel. Die waren dann auch sogleich fort. Und so waren die beiden neidischen Hofbesitzer mit all ihren Wünschen nicht reicher, sondern sogar um ein Paar guter Pferde ärmer geworden.

Dieser Beitrag kommt von der CommUnity International Partner-Agentur:

WeThink Nordic

Kopenhagen, Dänemark
www.wethinknordic.com

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